Wir lieben sie doch so
- vor 5 Tagen
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Gedanken einer Züchterin über Fürsorge, Projektion und die Frage, was Hunde wirklich brauchen.
Ich möchte heute einen Fall mit Euch teilen, der mich - wo ich mir doch einbilde die zukünftigen Besitzer meiner Welpen sorgsam auszusuchen- erschreckt und der ein Phänomen beschreibt, mit dem ich mich immer öfter auseinandersetzen muss.
Welche Funktion erfüllt der Hund in unserer modernen Gesellschaft?
Ein Fallbeispiel:
Vor einem Jahr vermittelte ich eine junge Hündin. Einjährig, gesund, neugierig, bewegungsfreudig und offen für die Welt. Eine echte Dänisch-Schwedische Farmhündin, die ich hier Mia nennen möchte.
Mia zog zu einem älteren Ehepaar, deren Kinder nicht mehr im Haus leben. Sie wurde erwartet, geliebt und umsorgt.
Am Anfang war das Nicht-Fressen
Die ersten Signale kamen schnell. Mia frass nicht. Das Ehepaar war besorgt. Statt
abzuwarten, wurde das Futter gewechselt. Dann wieder. Innerhalb eines Jahres sollte Mia sehr viele verschiedene Industriefuttersorten fressen. Am vorläufigen Ende stand Erbrechen und blutiger Durchfall und eine weiter reduzierte Nahrungsaufnahme.
Was die Forschung dazu sagt:
Hunde zeigen gegenüber neuem Futter eine nachgewiesene Neophobie – also eine anfängliche Ablehnung unbekannter Nahrung. In einer kontrollierten
Studie (Butowski et al., Frontiers in Veterinary Science, 2017) zeigten Hunde beim ersten Kontakt mit einem neuen Futter verlangsamtes Fressverhalten, erhöhte Ablenkung und Zögern – Verhaltensweisen, die von Haltern leicht als Ablehnung oder Krankheit fehlinterpretiert werden.
Darüber hinaus belegt eine Studie der Universität Helsinki mit über 4.600 Hunden (Vuori etal., Scientific Reports, 2023), dass eine hochverarbeitete, häufig wechselnde Futter-Diät in der Junghundphase mit einer erhöhten Rate chronischer Magen-Darm-Erkrankungen im späteren Leben assoziiert ist. Häufige Futterwechsel können die Darmflora destabilisieren – mit den Folgen Erbrechen, Durchfall und blutiger Kot. Wissenschaftlich ist zudem belegt, dass anthropomorphe Verhaltensweisen gegenüber Haustieren häufig zu Ernährungsfehlern führen – mit physischen Folgen wie ernährungsbedingten, dermatologischen und orthopädischen Erkrankungen. (Mota-Rojas et
al., Animals, 2021)
Der Hund als Spiegel menschlicher Bedürfnisse
Eine Studie der Universität Groningen (Bouma, Dijkstra & Arnt Rosa, Animals, 2023)
untersuchte, wie Tierhalter ihre Hunde und Katzen wahrnehmen. Das Ergebnis: Das
Ausmass der Anthropomorphisierung – also das Zuschreiben menschlicher Eigenschaften ans Tier – korreliert mit der sozialen Rolle, die das Tier im Leben des Besitzers einnimmt, und mit dem Ausmass der emotionalen Unterstützung, die der Mensch durch das Tier erfährt.
Das bedeutet: Menschen, die ihren Hund als primäre soziale Beziehung erleben, neigen stärker dazu, ihm menschliche Gefühle, Bedürfnisse und Erkrankungen zuzuschreiben.
Das ist kein Vorwurf – es ist ein gut dokumentiertes psychologisches Muster. Für Hunde kann das Konsequenzen haben.
Hunde haben sich als soziale Arbeitstiere entwickelt. Ihre Verhaltensbedürfnisse – Bewegung, Sozialkontakte, Erkundung – sind evolutionär verankert.
Werden diese Bedürfnisse durch übermässige Kontrolle, Isolation oder Übermedikalisierung eingeschränkt, entstehen nachweislich Verhaltens- und Gesundheitsprobleme. (Mota-Rojas et al., Animals, 2021)
Heute ist Mia nicht mehr der Hund, den ich abgegeben habe. Sie hat sich kaum entwickelt, wirkt infantil für ihr Alter, unsicherer, zurückgezogener und gesundheitlich belastet.
Ich bin nicht ihre Tierärztin. Ich kann und werde keine Diagnose stellen. Ich kann nicht beweisen, welche Ursache welchen Effekt hatte.
Was ich aber kann, ist ein Muster beschreiben.
Und dieses Muster betrifft nicht nur Mia.
Es betrifft eine Entwicklung, die ich als Züchterin zunehmend sehe: Hunde werden geliebt, umsorgt, beobachtet, behandelt, geschützt — und verlieren dabei manchmal genau das, was sie gesund hält.
Ihre Freiheit.
Ihre Selbstwirksamkeit.
Ihre körperliche Robustheit.
Ihre Möglichkeit, Hund zu sein.
Als Züchterin sehe ich meine Verantwortung deshalb nicht nur darin, gesunde Hunde zu züchten. Gesundheit endet nicht mit Gentests, tierärztlichen Untersuchungen und guten Linien. Ein Hund braucht nach der Abgabe ein Leben, das seinen Bedürfnissen entspricht. Und genau daran scheitern heute viele Mensch-Hund-Beziehungen nicht aus Kälte, sondern aus zu viel menschlicher Bedürftigkeit.
Wenn der Hund zum emotionalen Mittelpunkt wird
Hunde leben heute oft nicht mehr nur mit uns. Sie leben für uns.
Sie sind Familienmitglied, Seelentröster, Lebensinhalt, Ersatz für Nähe, Strukturgeber im Alltag und emotionale Stütze. Daran ist zunächst nichts Falsches. Die Mensch-Hund-Bindung kann für beide Seiten wertvoll sein.
Problematisch wird es dort, wo der Hund nicht mehr als Hund gesehen wird, sondern als Projektionsfläche menschlicher Bedürfnisse. All das läuft in unserem Unterbewusstsein ab..
Die Spirale aus Sorge, Kontrolle und Krankheit
Das Problem ist nicht die einzelne Sorge.
Das Problem ist die Spirale.
Der Hund frisst schlechter.
Der Mensch wird unruhig.
Das Futter wird gewechselt.
Der Hund reagiert mit Verdauungsproblemen oder noch weniger Appetit.
Dann wird aus Ernährung Beziehungspolitik.
Und aus einem Napf ein Schauplatz menschlicher Angst
Der Mensch beobachtet slso noch genauer.
Der Tierarzt wird häufiger aufgesucht.
Neue Diagnosen werden gesucht.
Neue Maßnahmen werden getroffen.
Der Hund wird immer weniger selbstwirksam und immer stärker zum Objekt von Beobachtung, Behandlung und Kontrolle. Je mehr der Mensch sich kümmert, desto kränker erscheint der Hund. Und je kränker der Hund erscheint, desto mehr muss sich der Mensch kümmern. Genau hier beginnt das gefährliche Feld, über das in der Veterinärmedizin noch viel zu wenig gesprochen wird.
Animal Abuse by Falsification - ein unbequemer Begriff.
Ein harter, aber wichtiger Fachbegriff ist Animal Abuse by Falsification (AAF)
Wissenschaftlich:
Animal Abuse by Falsification” beschreibt das Muster, bei dem Halter Krankheitssymptome beim Tier erfinden, übertreiben oder durch ihr Verhalten
aufrechterhalten – oft ohne bewusste Absicht zu schaden. Es ist das tierische Pendant zum Munchausen-Syndrom by Proxy in der Humanmedizin.
Eine aktuelle explorative Studie niederländischer Forscherinnen der Universität Utrecht (van Herwijnen, van Helvoort, Reinders & Vinke, PLOS One, 2026) zeigt: Mehr als die Hälfte der befragten Tierärzte gab an, in ihrer Praxis wahrscheinlich schon Fälle von fabrizierter oder aufrechterhaltener Tiererkrankung erlebt zu haben. Die Autorinnen betonen ausdrücklich, dass dies kein seltenes Randphänomen ist – und dass es in der tierärztlichen Ausbildung und Praxis kaum Raum findet.
Das beschriebene klinische Muster: Symptome, die sich im Befund nicht erklären lassen. Krankengeschichten, die nicht zur Untersuchung passen. Halter, die wiederholt Tierärzte aufsuchen, ohne die empfohlenen Massnahmen umzusetzen. Damit sind Situationen gemeint, in denen Krankheitssymptome bei einem Tier erfunden, übertrieben, fehlinterpretiert oder durch menschliches Verhalten aufrechterhalten werden. Es geht nicht zwingend um bewusste Grausamkeit. Oft geht es um psychologische Dynamiken, in denen Sorge, Aufmerksamkeit, Kontrolle und das Gefühl, gebraucht zu werden, miteinander verschmelzen.
Das bedeutet nicht, dass jeder überbesorgte Halter sein Tier missbraucht. Aber es bedeutet: Die Veterinärmedizin kennt Fälle, in denen Tiere nicht trotz, sondern durch menschliche Sorge krank gehalten werden.
Nicht jede Krankheit entsteht im Körper des Hundes.
Manche entstehen im System um den Hund herum.
Ob dieser Begriff auf Mia zutrifft, kann ich nicht beurteilen und behaupte ich nicht.
Aber das Muster, das mich beunruhigt, ist genau dieses: Ein gesunder Hund wird zunehmend beobachtet, interpretiert, behandelt, eingeschränkt und medizinisiert — bis von seiner ursprünglichen Lebendigkeit kaum noch etwas übrig ist.
Sekundärer Krankheitsgewinn: Wenn der kranke Hund gebraucht wird
In der Psychologie beschreibt der Begriff sekundärer Krankheitsgewinn Vorteile, die aus Krankheit entstehen können: Aufmerksamkeit, Zuwendung, Struktur, Bedeutung, Entlastung oder das Gefühl, gebraucht zu werden.
Auf den Hund übertragen heißt das nicht, dass Menschen bewusst wollen, dass ihr Tier krank ist.. Aber es kann bedeuten, dass ein kranker Hund unbewusst eine Funktion erfüllt.
Er erzeugt Gespräche, Mitleid, Anerkennung. Er bindet.
Ein gesunder, selbstständiger, robuster Hund braucht weniger. Ein kranker Hund braucht dauernd etwas.
Und genau darin liegt die Tragik. Manche Hunde werden nicht vernachlässigt. Sie werden überversorgt.
Nicht aus Lieblosigkeit, sondern weil ihr Kranksein für den Menschen unbewusst Sinn stiftet. Das ist ein unbequemer Gedanke. Aber wenn wir ehrlich über Tierschutz sprechen wollen, müssen wir ihn zulassen.
Kommen wir zu Mia zurück, denn ihre Fressunlust hatte angeblich einen biologischen Grund. Welche Erleichterung den Bösewicht beim Namen zu nennen. Die Fressunlust trat parallel zur Scheinschwangerschaft auf!
Scheinschwangerschaft: Ein normales Phänomen wird zur Katastrophe erklärt
Die Scheinschwangerschaft der Hündin ist kein exotischer Defekt. Sie ist ein physiologisch reales, hormonell gesteuertes Phänomen bei nicht kastrierten Hündinnen.
Christina Gobello beschreibt die canine Pseudocyesis als häufiges Syndrom nicht tragender Hündinnen im späten Diöstrus; typische Zeichen sind unter anderem Gesäugeveränderungen, mütterliches Verhalten und Laktation.
Das bedeutet: Eine Scheinschwangerschaft ist zunächst kein Beweis dafür, dass eine Hündin unverhältnismässig leidet!
Sie ist ein nützliches biologisches Programm. Ich habe das hier unter den Hündinnen oft beobachtet. in dem Moment, in dem die Mutter der Welpen etwas nachlässt in der Versorgung, steht sofort eine scheinschwangere Amme bereit. Sie kümmert sich nicht nur um die Babies, durch die Laktation ist sie auch in der Lage sie zu füttern.
Ein nützliches, sehr natürliches biologisches Verhaltensmuster wird allzu oft dämonisiert, als schlecht empfunden, weil das Verhalten der Hündin sich umstellt. Oft raten Tierärzte dann zur Kastration. Das beruhigt die Besitzer und füllt die Kasse der Ärzte.
Aber nicht jede Scheinschwangerschaft ist ein Grund, v.a. eine junge Hündin vorschnell zu kastrieren. Und nicht jede Verhaltensveränderung während dieser Phase erklärt automatisch alle anderen Probleme.
Appetitveränderung, Rückzug oder reduzierte Aktivität können vorkommen. Sie können aber auch durch Stress, Verdauungsprobleme, fehlende Bewegung, soziale Einschränkung oder ein überkontrolliertes Umfeld mitbedingt sein.
Wenn all das unter dem Etikett „Scheinschwangerschaft“ zusammengefasst wird, wird es gefährlich. Denn dann wird ein komplexes Haltungs- und Beziehungsproblem auf ein hormonelles Problem reduziert. Und die scheinbar einfache Lösung heißt dann: Kastration.
Die Forschung zeigt: Besitzer, die selbst häufig Einsamkeit oder Angst erleben, neigen dazu, entsprechende Zustände bei ihren Hunden zu identifizieren – unabhängig vom klinischen Befund. (Faunalytics, 2022) Nicht jede Verhaltensauffälligkeit einer Hündin ist Ausdruck eines Hormonstatus.
Kastration: Nicht jede Lösung ist harmlos
Die Kastration wird häufig als endgültige Lösung hormoneller Probleme dargestellt. Bei wiederkehrender, schwerer Scheinschwangerschaft kann sie medizinisch sinnvoll sein. Aber sie ist kein kleiner Eingriff. Sie entfernt hormonproduzierende Organe. Sie verändert den Körper dauerhaft. Und sie kann Verhalten, Stoffwechsel, Fell, Muskulatur, Harntrakt und Stressregulation beeinflussen. Besonders problematisch ist eine Kastration dann, wenn sie nicht am Ende einer sauberen Diagnostik steht, sondern als Antwort auf ein unscharfes Problem dient.
Wenn eine Hündin ängstlich, zurückgezogen, Magen-Darm-empfindlich und überkontrolliert lebt, löst eine Kastration nicht automatisch das Problem. Sie kann sogar ein weiterer Schritt in derselben Spirale sein: Wieder wird am Hund eingegriffen, statt das System um den Hund zu betrachten.
Die wissenschaftliche Evidenz zu den Verhaltensauswirkungen einer Kastration bei
Hündinnen ist differenzierter, als es die gängige Praxis vermuten lässt.
Eine Studie von Kim, Yeon, Houpt et al. (Veterinary Journal, 2006) untersuchte die Verhaltensauswirkungen der Ovariohysterektomie bei Deutschen Schäferhunden und fand eine erhöhte Reaktivität bei kastrierten Hündinnen im Vergleich zu intakten Tieren. Eine grosse Übersichtsstudie der JAVMA (2023) stellte fest, dass kastrierte Hunde im Vergleich zu intakten Tieren erhöhte Werte bei Angst, Furcht und aggressionsbezogenen Verhaltensweisen gegenüber Fremden zeigten. Die Parsemus Foundation fasst den Forschungsstand zusammen: Kastrierte Hunde können mehr Angst und Furcht entwickeln und zeigen mitunter stärkeren kognitiven Abbau als intakte Tiere. (Parsemus Foundation, 2025)
Der Mechanismus ist biologisch nachvollziehbar: Sexualhormone – insbesondere Östrogen – wirken nicht nur auf die Reproduktion, sondern auch auf das zentrale Nervensystem, auf die Stimmungsregulation und auf das Stressreakionssystem. Ihre Entfernung ist eintiefgreifender Eingriff in den Hormonstatus, insbesondere bei einer jungen Hündin, deren neurologische Reifung noch nicht abgeschlossen ist.
Hinzu kommt: Wird eine Hündin während der Lutealphase – also wenn Progesteron noch erhöht ist – kastriert, kann die Operation selbst eine akute Scheinschwangerschaft auslösen, da der abrupte Progesteronabfall durch die Entfernung der Ovarien den Prolaktinanstieg provoziert. (UC Davis School of Veterinary Medicine)
Für mich ist deshalb entscheidend:
Eine Kastration darf nicht die schnelle Antwort auf menschliche Überforderung sein.
Sie darf nicht dazu dienen, einen Hund „pflegeleichter“, „stabiler“ oder „weniger kompliziert“ zu machen, wenn die eigentliche Ursache in Haltung, Stress, Fehlinterpretation oder Überfürsorge liegt. Wenn wir eine Hündin kastrieren, weil wir ihre biologischen Prozesse nicht aushalten, dann ist das keine Fürsorge. Dann ist es Kontrolle!
Was Hunde brauchen
Die Verhaltensbedürfnisse von Hunden sind wissenschaftlich gut dokumentiert:
Konsistente Ernährung: Häufige Futterwechsel destabilisieren die Darmflora und können zu gastrointestinalen Erkrankungen führen. (Vuori et al., Scientific Reports, 2023)
Bewegung und Erkundung: Einschränkungen der Bewegungsfreiheit und sozialer Kontakte sind mit erhöhtem Stressniveau und Verhaltensauffälligkeiten assoziiert.(Mota-Rojas et al., Animals, 2021)
Sozialkontakte: Hunde sind soziale Tiere. Isolation von Artgenossen und übermässige Kontrolle bei Hundebegegnungen beeinträchtigen ihre soziale Entwicklung.
Vorhersehbare Strukturen: Inkonsistentes Halterverhalten erhöht nachweislich den Stresslevel bei Hunden.
Hunde brauchen natürlich Liebe. Bedingungslose Liebe. Aber sie brauchen auch Bewegung, körperliche und geistige Auslastung. Sie brauchen Erkundung, Abenteuer und ein bisschen Gefahr. Sie brauchen Sozialkontakte. Echte Rudelliebe. Sie brauchen Frustrationstoleranz. Sie brauchen verlässliche, aber nicht erstickende Menschen. Sie brauchen die Möglichkeit, Erfahrungen zu machen, ohne dass jeder Schritt kommentiert, kontrolliert oder pathologisiert wird.
Sie brauchen Menschen, die zwischen Fürsorge und Angst unterscheiden können. Zwischen Schutz und Kontrolle. Zwischen Beobachtung und Überwachung.
Zwischen medizinischer Notwendigkeit und menschlicher Bedürftigkeit.
Ein Hund ist kein Ersatzkind.
Kein Therapeut.
Kein Sinnstifter.
Kein Projekt.
Kein Beweis unserer Fürsorglichkeit.
Er ist ein Hund.
Und genau darin liegt sein Wert.
Reflexionsfrage
Dieser Artikel beschreibt ein Muster, das die Wissenschaft kennt – und das in der Praxis häufig vorkommt, ohne erkannt zu werden.
Als Züchterin versuche ich zu verstehen und im Sinne des Tieres auf erkennbare Strukturen hinzuweisen. Die Frage, die ich mir bei solchen Fällen stelle – und die ich hier mitgeben möchte:
Lebe ich mit meinen Hund so, wie er es braucht – oder so, wie ich es brauche?
Das ist keine einfache Frage. Und keine, die sich pauschal beantworten lässt. Aber sie lohnt sich.
Quellen
van Herwijnen, van Helvoort, Reinders & Vinke (2026) Animal abuse by falsification – Recognition amongst the veterinary profession in The Netherlands PLOS One, April 2026 —
Forscherinnen der Abteilung „Animals in
Science and Society”, Veterinärmedizinische Fakultät, Universität Utrecht (NL). Peer-
reviewed Umfrage unter praktizierenden Tierärztinnen und Tierärzten in den Niederlanden zum Erkennen von fabrizierter Tiererkrankung.
Mota-Rojas et al. (2021) Anthropomorphism and Its Adverse Effects on the Distress and Welfare of Companion Animals Animals (MDPI), November 2021 —
Interdisziplinäres Autorenteam: Daniel Mota-Rojas
(Neurophysiologie und Tierschutz, Universität Xochimilco, Mexiko), Chiara Mariti und Angelo Gazzano (Veterinärwissenschaften, Universität Pisa, Italien). Umfassende Literaturübersicht zu schädlichen Auswirkungen von Anthropomorphismus auf Haustiere.
Bouma, Dijkstra & Arnt Rosa (2023) Owner’s Anthropomorphic Perceptions of Cats’ and Dogs’ Abilities Are Related to the Social Role of Pets Animals (MDPI), November 2023 —
Esther Bouma und Arie Dijkstra vom Institut für Sozialpsychologie der Universität Groningen (NL). Empirische Studie mit Hunde- und Katzenhaltern in den Niederlanden zur Frage, wie soziale Abhängigkeit die Anthropomorphisierung beeinflusst.
Vuori et al. (2023) The effect of puppyhood and adolescent diet on the incidence of chronic enteropathy in dogs later in life Scientific Reports (Nature), Februar 2023 —
Anna Hielm-Björkman und Kristiina Vuori,
Universität Helsinki, Finnland. Epidemiologische Längsschnittstudie mit über 4.600 Hunden aus dem DogRisk-Fragebogenprojekt. Untersucht den Zusammenhang zwischen Junghundfütterung und chronischen Darmerkrankungen im Erwachsenenalter.
Butowski et al. (2017) Canine Food Preference Assessment Using Single-Pan Tests and Behavioral Observation Frontiers in Veterinary Science, 2017 —
Forschergruppe aus dem Bereich Tierernährung. Kontrollierte Laborstudie mit 8 adulten Beagles zur Futterpräferenz und zum Nachweis von Neophobie bei Hunden gegenüber neuem Futter.
Goma & Kieson (2025) Golden Years and Companion Animals: Investigating How the Human–Animal Bond Shapes Pet Wellness in Later Life Veterinary Sciences, Juli 2025 —
Amira Goma (Veterinärmedizin, Universität
Alexandria, Ägypten) und Emily Kieson (Equine International, Boston, USA).
Fragebogenstudie mit 60 älteren Tierhaltern zu den wechselseitigen Auswirkungen der Mensch-Tier-Bindung im Alter.
Gobello (2021) Revisiting canine pseudocyesis Theriogenology, März 2021 —
Cristina Gobello, Reproduktionsmedizinerin an der Nationalen Universität La Plata, Argentinien. Führende Expertin für canine Reproduktion. Systematische Übersichtsarbeit zur Physiologie, Diagnostik und Behandlung der Scheinschwangerschaft beim Hund.
UC Davis School of Veterinary Medicine Canine Pseudopregnancy —
Eine der renommiertesten veterinärmedizinischen Fakultäten der USA. Klinisch-praktische Zusammenfassung des Phänomens für Tierärzte und Halter.Kim, Yeon, Houpt et al. (2006) Effects of ovariohysterectomy on reactivity















Toll. Wieder so ein Beitrag für die "Hunde-Apotheken-Umschau", von dem ich inständig hoffe, dass ihn möglichst viele Hundehalter-Menschen -egal welcher Rasse- lesen.
Hier findet garantiert die Mehrheit aller Hundehalter zumindest ein paar kleine Zeilen, die auf sie selbst zutreffen. Und diejenigen, die sich bei ganz ehrlicher Betrachtung in größeren Teilen des Beitrages wiederfinden, bekommen eine hervorragende Anleitung, um an ein paar Stellschrauben zu drehen und das Leben für den Hund und sich selbst -auch im HundMenschTeam- wieder ein Stückchen besser zu machen, obwohl sie gewiss niemals die Absicht hatten, das Gegenteil davon zu erreichen.
Ich kann nur jedem empfehlen, sich die Mühe zu machen, den recht langen Artikel zu lesen und zu reflektieren.