Gedanken zur Hundezucht
- Karin Dix

- vor 5 Tagen
- 5 Min. Lesezeit
Ich habe schon viele Artikel geschrieben, wie Sie, verehrte Hundeliebhaber, den richtigen Hund, den richtigen Züchter, zum richtigen Geld finden können.
Im Laufe der Zeit stelle ich fest, daß das Interesse an der Zucht und daran einen Hund bei einem verantwortungsvollen Züchter zu kaufen eher ab - als zunimmt. Die Wünsche nach einem Hund werden immer kurzfristiger, die Käufer unkritischer oder unzuverlässiger. Ist das ein gesellschaftlicher Trend? Begünstigt unsere Konsumkultur und Übernutzung von Social Media narzisstische Tendenzen im Gesellschaftlichen ?
Ich weiss es nicht, aber ich wollte doch an Ihr Bewusstsein, lieber Hundekäufer, appellieren und der toxischen Tendenz entgegenwirken.
Hundezucht ist kein geschützter Begriff. Wie sollen Sie den Unterschied erkennen ? Also grundsätzlich gibt es 2 Unterscheidungsmerkmale, die einige Konsequenzen mit sich bringen. Die Zucht innerhalb und ausserhalb eines kynologischen Dachverbandes.
Der weltweit führende kynologische Dachverband ist die
FCI(Fédération Cynologique Internationale), die 1911 gegründet wurde und 99 Mitglieder umfasst. In Deutschland ist der VDH Mitglied. Der VDH selbst ist aber wiederum nur eine Dachorganisation für die Rassehundvereine, die für die Zucht der jeweiligen Rasse zuständig sind und auch das Zuchtbuch führen. Gibt es keinen Verein, wie im Falle des DSG, ist die Rasse dem VDH direkt zugeordnet und dort wird dann das Zucht buch geführt.
Was ist das nun mit dem Zuchtbuch und warum ist es so wichtig ?
Das Zuchtbuch für Hunde ist ein zentrales Register, das die Abstammung, Gesundheit und züchterische Verwendung von Rassehunden dokumentiert. Es sichert lückenlose Ahnentafeln über mindestens drei (und mehr) Generationen, dient zur Kontrolle von Erbkrankheiten, verhindert Inzucht und ist Voraussetzung für die Zuchtzulassung und Rassehunde-Zucht
.
Abstammungsnachweis: Es dokumentiert die genetische Herkunft und stellt sicher, dass der Hund aus einer kontrollierten Verpaarung stammt.
Gesundheitsmanagement: Vereine nutzen Zuchtbücher zur Überwachung von Erbkrankheiten (z. B. Hüftdysplasie) und zur Berechnung von Zuchtwerten, um gesunde Welpen zu fördern.
Rassestandard: Nur Hunde mit Eintragung im Zuchtbuch gelten als Rassehunde !
Zuchtzulassung: Ein Eintrag ist oft zwingend erforderlich, um an Körungen und Zuchtzulassungsprüfungen teilzunehmen.
Verantwortung: Es dient als Basis für geordnete Zuchtlenkung und verhindert unkontrollierte Vermehrung.
Der Zuchtbucheintrag ist somit essenziell für die Erhaltung der Rassegesundheit und -qualität.
Es gibt in Deutschland keine Alternative dazu, zumindest nicht beim DSG.
Heisst das jeder Hund , der nicht im VDH gezüchtet wurde, ist schlecht ? Nein, das heisst es natürlich nicht. Es heisst nur, es ist unkontrolliert (auch wenn sich kleinere Vereine bemühen mit diversen Kriterien eine Art Kontrolle vorzuweisen, sind sie nicht den strikten Regeln des FCI unterworfen und haben bei der Zucht nicht die Kontrolle, die ein FCI Hund hat, der über Regeln, persönlichen Kontrollen und Datenbanken Hunde mit entsprechender Ahnentafel vergleichen und fiktiv verpaaren kann. ) Es ist ebenfalls unkontrolliert, weil die Hunde sich nie auf einer anerkannten, internationalen Hundeausstellung einem entsprechend geschulten Richter präsentieren können, der eine neutrale Beurteilung des Hundes abgibt und damit wertvolle Informationen für den Züchter und die Zuchttauglichkeit des präsentierten Tieres abgeben kann. Und letztlich, und das finde ich persönlich am traurigsten für die Rasse, geht die Genetik des nicht registrierten Tieres, für die Zucht verloren.
Wir haben alle schon einmal gehört, wie wichtig die Diversität einer Hunderasse für die Gesunderhaltung und den Fortbestand der Rasse ist. Da zählt jeder Hund. Wird er nicht registriert, sind die Gene verloren und die Diversität sinkt ein klitzekleinesbisschen nach unten. Schade.
Einen Hund also nicht zu registrieren und sich den oft nervigen Bestimmungen ( nicht zu vergessen den nicht unerheblichen Kosten) des VDHs zu unterwerfen, bedeutet für mich also das Ablehnen der Verantwortung für die Rasse. Nicht den individuellen Hund, aber der Rasse.
Wenn wir also etwas gut finden, uns verlieben, sollte wir dann nicht alle ein wenig Engagement darin zeigen, das Gute zu erhalten ? Eine Tradition zu pflegen, für Mensch und Tier ?
Ich habe beschlossen eine kleine Serie zu starten über verantwortungsvolle Hundezucht. Da wir gerade beim VDH sind, beginne ich mit dem Ausstellungswesen.
Auch für das Ausstellungswesen gilt, was für das Zuchtbuch gilt. Das Hundeausstellungswesen dient primär der Zuchtbewertung nach Rassestandards. Der (FCI) Standard wird für jede Hunderasse schriftlich festgehalten. (FCI Standard Nr 356 für den DSG). Die Richter, die weltweit nach diesem Standard richten können, sind streng reglementiert und ausgebildet. Sie dürfen nicht ausserhalb des FCIs richten.
Also hat der FCI international eine ganz schöne Hoheit über die Zuchttiere. Ein Champion Titel setzt sich auch dementsprechend zusammen. 4 CACIB aus 3 unterschiedlichen Länder braucht es, um einen Championtitel zu erlangen.
Das ist nicht zu vergleichen mit einer Dissidenz-Zuchtschau.
Ausstellungen haben also einen großen Einfluss auf die Zucht. Aber gross sind auch die Voruteile gegen Sie und das nicht unberechtigt. Jeder kennt die oft gruseligen Fotos von Hunden auf Tischen, deren Haare toupiert und mit giftigem Haarspray eingesprüht werden. Es gibt viele Absurditäten bei Hundeausstellungen, die sicher nicht dem Wohlergehen des Tieres dienen. Ich habe auch nie verstanden, wieso Hundeausstellungen Spaß bringen sollen ? Die Hallen sind kalt und ungemütlich. Es herrscht ein heillos lauter Geräuschpegel an Hundegebell, Durchsagen etc. Die Menschen sind gestresst und der viel gerühmte Austausch unter Züchtern kommt gar nicht zustande. Im Gegenteil: "Anstatt der Zusammenarbeit wird Missgunst und Neid geschürt und das Konkurrenzdenken gefördert. Jeder möchte der Erste sein, der zweite Platz wird häufig schon als Niederlage empfunden und Züchter A gönnt Züchter B die Platzierung nicht, alles wird vom eigenen Gewinnstreben bestimmt."
Diese Aussage stammt nicht von mir, sondern steht auf der Seite von Prodalmatian, einem Verein für Dalmatinerfreunde. Ich hab mal in einem Video die Athmosphäre einer Ausstellung eingefangen:
Während der Ausstellung werden die gemeldeten Hunde von einem Zuchtrichter dahingehend beurteilt und bewertet inwieweit sie dem Rassestandard entsprechen. Allerdings gibt es für das Vorgehen kein einheitliches System und der Rassestandard dient mehr oder weniger nur als Grundgerüst für die Bewertung. Hinzu kommt noch der menschliche Faktor.
Jeder Richter hat sein Ideal- beziehungsweise Wunschbild der Rasse vor Augen und ist geneigt Hunde besser zu bewerten, die diesem Bild entsprechen. Dies kann weitreichende Auswirkungen haben. Etliche Züchter gestalten ihre Zuchtpläne danach, was für ein „Typ“ ihrer Rasse momentan gefragt ist. Die Entscheidung des Richters kann also mitverantwortlich dafür sein, in welche Richtung sich eine Rasse, oder zumindest ein Teil davon, entwickelt.
Werbewirksam ist natürlich auch wer dann endlich einen Championtitel sein eigen nennt. Champions sind ein gutes Aushängeschild für eine Zuchtstätte und suggerieren den Welpeninteressenten eine besonders gute, hochwertige Zucht.
Doch auch wenn es vielfach so scheint, ein Ausstellungschampion ist nicht zwangsläufig auch ein guter Zuchthund, genauso wenig wie Welpen aus Championeltern dazu geboren sind, ebenfalls Champions zu werden.
Mit allem Für und Wider nehme aber auch ich an Ausstellungen teil. Ich wurde gefragt Warum. Hier meine Antwort:
Also für heute stelle ich fest: Es gibt für mich keine Alternative zur FCI Zugehörigkeit. Die FCI bestimmt den Standard, das Ausstellungswesen und führt das Zuchtbuch.
Also, wenn sie einen typischen Vertreter des Dansk Svensk Gårdhund wollen, dessen Rassezugehörigkeit nicht nur durch die verliebten Augen des Besitzers bestimmt werden, dann braucht es leider eine VDH MItgliedschaft.





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