Haben Sie den Überblick verloren ?
- 12. Nov. 2025
- 5 Min. Lesezeit
Ich auch. Die DSG Zucht boomt in Deutschland. Züchter spriessen wie Pilze aus dem Boden. Im VDH Zuchtbuch von 2024 gab es 25 Würfe, dh insgesamt 138 Welpen. Stimmt die Angabe des FCI , daß nur 7 % der Rassehunde innerhalb der FCI gezüchtet werden, müssten rein statistisch viel mehr DSG in der Dissidenz, als im Rahmen eines kynologischen Dachverbandes gezüchtet werden. Damit würden wir in Deutschland von der Welpenanzahl her Dänemark erreichen.
Aber mit welchem genetischen Background züchten wir eigentlich?
Vorab gesagt: Die hier besprochenen Beispiele betreffen nur im FCI registrierte Hunde! Daten für Hunde, die in der Dissidenz gezüchtet werden , liegen nicht vor. dh hier wissen wir überhaupt nicht wie divers gezüchtet wird bzw wie der Inzuchtcoeffizient aussieht. Verantwortungsvolle Züchter machen auch in der Dissidenz ein DNA Profil und evtl eine HD Untersuchung. Dann weiss man wenigstens auf den individuellen Hund bezogen, was los ist.
Jeder Laie kennt den Begriff der Überzüchtung. Meist sind es kranke Hunde, die bestimmte Krankheitsmerkmale zeigen, wenn es lapidar heisst " ach, die sind überzüchtet ". Aber wie entsteht so eine Überzüchtung ?
Dazu sagt die KI: "Die Überzüchtung bei Hunden hat zwei Hauptursachen:
die selektive Zucht auf bestimmte äußerliche Merkmale und die dadurch resultierende geringe genetische Vielfalt. "
Wie sieht das nun beim DSG in Deutschland aus ? Die gute Nachricht, der DSG ist nach wie vor eine Rasse mit hoher Diversität ! Dennoch gibt es Tendenzen, die wir nicht ausser Acht lassen sollten.
Sehen wir uns die 25 Würfe von 2024 in Deutschland an, enthalten 7 Würfe Nydningen's Torkild (einem Sohn des Matadors Rüden Nydningen's Dirck); in 5 Würfen findet man den B Wurf von Newark, noch dazu 3 Würfe des C Wurfes von Newark, der ein Halbbruder des Newark B Wurfes ist (gleiche Mutter). 5 Würfe gehen auf Dogbuns Superior Strauss zurück. 9 Würfe, deren Züchter sich um andere Rüden bemüht haben. 2 dieser Würfe haben Pompe de Lux im Hintergrund (u.a. wir)
Verstehen Sie mich nicht falsch. Genetisch ist das kein Desaster, aber doch sehr limitiert auf bestimmte Linien. Was die Vielfalt der Rasse betrifft, wäre eine grössere Diversität wünschenswert. Zumindest was die Zukunft der Rasse in Deutschland betrifft. Böse Zungen aus dem Ausland sagen, in Deutschland seien alle Hunde verwandt. Ob das stimmt habe ich noch nicht untersucht.
Welche Gründe könnte es geben, dass Züchter ihre Auswahl nicht breiter fächern?
Zum einen ist es für einen Züchter einfach attraktiv eine Auszeichnung, auf Shows zu gewinnen. Der hübsche Hund gewinnt, nicht der gesunde. Also wird genommen, was erfolgreich war.
Ein weiteres Argument ist, daß der Anfahrtsweg zum Rüden und die Praktikabilität (Zeitmanagement), bei der Auswahl des Zuchtrüdens im Vordergrund stehen.
Ausserdem ist es natürlich, daß ein Züchter seinen eigenen Rüden öfter benutzt.
Es könnte aber auch sein, daß v.a. bei den kleineren Züchtern, die nicht so häufig züchten, zu wenig Hunde bekannt sind? Pedigrees zu studieren ist eine aufwendige, zeitintensive Angelegenheit. Alle Hunde sind süß, v.a. die Welpen, und der Verkauf der Welpen steht im Vordergrund. Es ist mühsam und teuer einen weiten Weg auf sich zu nehmen, um einen ausländischen Rüden zu besuchen. Das verstehe ich sehr gut. Noch zudem ist es schwierig, gute Rüden in sein Zuchtprogramm integrieren zu dürfen! Aber sollten wir, der Rasse zuliebe, nicht aufgeklärter mit dem Thema umgehen?
Werfe ich einen kritischen Blick auf die Rüden, die ich bei Grac'n Kelly zur Zucht eingesetzt habe, finde ich folgende Auswahl:
Die eingesetzten Rüden stammen 2 x aus Dänemark. Astor (Kikkis Kennel) ist ein vielbenutzter Rüde im Ausland (77 Nachkommen), nicht so sehr in Deutschland. Nicht gerade häufig findet man in Dänemark einen geröntgen Rüden. Astor hat HD A und väterlicherseits bringt er neues Blut (Inzucht 0 %), da seine Abstammung nicht registriert ist. Stallbackas Zmak af Dumle (HD B) ist ein lieber Rüde von Jenni Kochen, allerdings auch kein unberührtes Blatt (58 Nachkommen), aber geröntgt! Seine Diversität ist mittel (orange) in der Dogsglobal database. Änglarnas Pompe de Lux, ist ein Schwede (HD B), der ebenfalls öfter eingesetzt wurde (46 Nachkommen) und immerhin gelb in der Datenbank. Desweiteren haben wir 2 x mit Russla Vaengas I gud Demeter gedeckt. Aus diesem Rüden stammen Kotten und Lotte. Trym ist ein hübscher, gesunder Rüde aus Norwegen mit sehr guten Hüftergebnissen. Die hat er seinen Töchtern weitervererbt. Er hatte insgesamt 62 Nachkommen, einen niedrigen Inzuchtcoeffizienten ( 1,14%) und ist gelb bei dogsglobal. Gleich zwei Hunde habe ich von einem dänischen Rüden aus dem Hause Gårdbanditten. Eventyrlice Eico hatte wenige Nachkommen, ist grün bei dogsglobal und hat ebenfalls einen niederigen Inzuchtcoeffizienten (1,25) . Er ist Vater von Noomi und Paul.
Also auch bei uns, trotz des Weges, sind die Rüden keine Diversitäts-Seltenheit, aber in Kombination mit Bubblan ( die ein nettes pedigree hat mit Bernmarkens Sigge Hubbeson/ grün/ sehr divers) und Kotten ( die auf Bubblan x Russla Vaengas I Gud Demeter zurück geht/grün/ sehr divers) zwei sichere Kandidaten um die Diversität zu garantieren. Anders sieht es bei Hilde aus. Hilde ist durch und durch eine Dänin (Ørestaden åh Susan Himmelblå x Misses Rori Racerbill), dh da tauchen engere Verwandtschaftsgrade auf. Gepaart mit dem Dänen Eico aber mischt sich die Linie wieder auf und Noomi ist wieder grün.
Es sei nochmal betont, daß es hier um Zuchtstrategie geht. Die Welpen aus diesen Kombinationen sind süß, liebenswert, hübsch und meist gesund. Es geht um die Perspektive und den Wunsch Fehler, die andere Rassen prägen, nicht zu wiederholen und auch die Erbkrankheiten über einen niedrigen Inzuchtfaktor im Griff zu behalten.
Nochmal zum Verständnis: Es gibt 2 Begriffe, mit denen man in der Zucht hantiert. Diversität und Inzuchkoeffizient. Die Arten wie dies berechnet wird, sind allerdings unterschiedlich !
In Skandinavien sind die Hunde alle in der Datenbank des Skk, Dkk oder NKK registriert. Das gibt einen guten Überblick. In diesen Datenbanken gibt es die Möglichkeit 2 Hunde fiktiv zu verpaaren. Dabei wird ein Inzuchkoeffizient errechnet. Dieser basiert meist auf 6 Generationen und berechnet die Verwandschaftsverhältnisse dieser ausgewählten Kombination.
Seit kurzem gibt es eine neue Datenbank, die sich dogsglobal nennt.
Dogsglobal geht auf die Prinzipien des 'meankinship' zurück. Die Datenbank hat einen eigenen Algorithmus und errechnet den Inzuchkoeffizienten auf die gesamte Population. Um es für den Nutzer zu vereinfachen, werden die Ergebnisse, ähnlich wie beim Nutriscore, in Farben unterteilt: grün, gelb, orange und rot . Das funktioniert allerdings nur, wenn alle Züchter ihre Hunde in die Datenbank eingeben würden. Das passiert bisher leider noch nicht.
Und dann gibt es noch die genetische Möglichkeit. Da wird anhand der DNA des jeweiligen Hundes die genetische Variabilität errechnet. ( Labore wandeln die Genotypdaten eines Hundes in ein genomisches Maß der Homozygosität um. Dieses Maß schätzt, welcher Anteil des Hundegenoms identisch aufgrund gemeinsamer Vorfahren ist – also wie viel des Erbguts von denselben Ahnen stammt) Das ist wahrscheinlich die genaueste Möglichkeit zu gucken, was im Hund steckt. Leider sparen sich viele Züchter diese Untersuchung und deshalb fehlen oft die Gegendaten.
Hier kommt es auch darauf an, welches Labor benutzt wird, da auch die Labore unterschiedliche Wege haben, die Diversität / Inzucht zu errechnen.
Ich war früher -wie viele Skandinavier- bei mydog DNA, bin aber auf Grund der Genauigkeit gewechselt zu Ferragen. Dieses Labor ist vergleichbar mit dem Deutschen Labor Laboklin.
Die derzeit vorliegenden Daten sind also in der Zucht evident. Vielleicht gibt es deshalb so viel Streit darüber. Mehr Religion als Wissen. Die Informationen, die wir haben, sind eher eine Orientierung für die Entwicklung eines fortschrittlichen und tiergerechten Zuchtprogramms.



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