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Ich bin so reich !

dachte ich heut morgen auf einem der täglichen Spaziergänge mit den Hunden. Zwischen 2 Regenschauern, die Sonne blinzelte neugierig hervor, lief ich mit den gut gelaunten Hunden durch die heile Welt der Lüneburger Heide. Die Bäche gurgelten, die Forellen sprangen in den Teichen, die endlich wieder klares Wasser hatten, die Wiesen saftig und fett, die Bäume zeigten ihre Blätter in jungfräulichem Gruen, der Waldmeister blühte und säumte die Wege. Ich fuehlte mich wie Barbie (wir sind im gleichen Alter) in einer heilen Welt.



Noch ganz beseelt vom morgendlichen Erlebnis, kam ich nach Hause und fütterte die Hunde. War das Fleisch schon aufgetaut? 1,5 kg am Tag, verpackt in eingeschweisstem Plastik, verbrauche ich pro Fuetterung. Dazu Gemuese, oft in Einwegverpackungen oder Folie verpackt, und Reis oder ähnliches, ebenfalls verpackt. Ganz schön viel Plastik, dachte ich. Das sind 30 Gramm Plastikmüll / Tag, 930 Gramm im Monat ca 11 kg/ Jahr! Dazu kommt der Versand der TK Ware und der Plastikmüll, der zur Kühlung auf dem Transport benutzt wird. Ich mochte gar nicht daran denken, wie umweltschädlich und gegen das Tierwohl gerichtet die enorme Fleischeslust meiner Hunde ist. Dazu kommt, was rein geht, muss ja auch wieder raus! Kot (pflichtbewusst aufgesammelt mit Plastiktüten) und Urin tragen ihr Scherflein bei, zu der schlechten Ökobilanz der Tiere.


Der durchschnittliche Kunstoffmuell pro Kopf pro Jahr liegt in Deutschland ueber dem EU Durchschnitt, bei 75 kg. Davon sind 38 kg Verpackungsmüll. 11 kg verursache ich nur durch die Hundenahrung 🙈 (Quelle Nabu)



Eine ernüchternde Studie der TU Berlin 2020 ergab ebenfalls ein desaströses Ergebnis. Für ihre Studie – veröffentlicht im Fachblatt "Sustainability" – hatten die Forscher einen rund 15 Kilogramm schweren Hund, der 13 Jahre lang lebt, als Grundlage genommen. In ihre Berechnungen haben sie dessen gesamten Lebensweg miteinbezogen – von den Ressourcen und Rohstoffen seines Futters, dessen Verpackung und Transport bis hin zu den Umweltauswirkungen der Exkremente.


Ein durchschnittlicher Haushund stößt danach in seinem Leben 8,2 Tonnen CO2 aus!


Jeder Hund verursacht damit durchschnittlich 630 Kilogramm CO2 im Jahr.


"Setzt man diese 630 Kilogramm CO2 ins Verhältnis zu den zwei Tonnen, die jeder Mensch pro Jahr emittieren kann, weil sie laut Weltklimarat für das Klima noch erträglich sind, dann muss sich jeder Hundebesitzer vor Augen führen, dass nahezu ein Drittel seines CO2-Budgets bereits vom Hund verbraucht wird" so der Studienleiter und Professor für Sustainable Engineering an der TU, Matthias Finkbeiner. (https://www.mdpi.com/2071-1050/12/8/3394)



Ich habe 4 Hunde! Nun gut nicht so gross wie der zu Grunde gelegte Durchschnittshund. Also dividieren wir mal durch 2 .. bleiben noch immer 2 Hunde. Also sind bei mir schon 2/3 Drittel meines CO2s Budgets verbraucht.


Danach kam meine normale Hausarbeit. Ich schüttelte die Hundebetten auf: Wolke7, Vetbeds, Mypado .. alles Kunstfasern. Ich räumte das Welpenspielzeug, Polyester, die Physiogeräte aus Kunststoff, Welpenunterlagen, Geschirre, Schleppleine, Regenmäntelchen, Fleecepulloverchen, Kotbeutel an ihren Platz. Die Zeckenzange, die Haarentfernungsbürste, die Hundedecken , alles Kunststoffe.


Da ich auf Hygiene und Sauberkeit achte, muss alles gut waschbar sein. Kommen wir zum naechsten Thema, dem Mikroplastik. In Waschemulsionen, Hundeshampoos, Kosmetika etc. Uebers waschen geraet das Plastik ins Abwasser und tritt seine fuer Mensch und Tier gefaehrliche Reise an. Im Schnitt nehmen wir ca 5 g Mikroplastik pro Woche zu uns. Wir haben Mikroplastik im Blut, Herzen, sogar im Hirn. Aber nicht nur wir. Die Meere sind verseucht. Tierarten sterben weil das Plastik sie vergiftet.** ( Studie der Universität Newcastle 2021)


Den groessten Anteil verursacht übrigens der Abrieb von Reifen. Weniger fahren, waere eine Möglichkeit. Ich fahre zum Pferd, zum Spaziergang, auf den Hundeplatz. Fuer mich persönlich wuerde ein Fahrrad reichen.


Wir haben in Deutschland etwa 12 Millionen Hunde. Wenn ich den Verbrauch meines eigenen Haushalts hochrechne auf die Anzahl der Hunde, wird mir schlecht.


Nach meiner anfänglichen, morgendlichen Euphorie ueber das Glück in der Natur zu leben, holte mich diese Beobachtung ziemlich schnell in die Realitaet zurück.


Also sprach Zarathustra .. was tun? Ich weiss es nicht.


Schlachtabfaelle aus Biofleisch füttern statt hergestelltes Futter aus extra dafuer geschlachteten Tieren, waere eine Möglichkeit.


Frisch beim lokalen Metzger das Fleisch kaufen. Unverpackt (ich sehe wie sich die Nasen rümpfen beim Gedanke an die Pansenfütterung )


Kot aufsammeln auch im Wald. Die Herstellung der Plastiktüten ist weniger umweltschädlich als die Nitrate der Exkremente.


Gemuese unverpackt zB auf dem Markt kaufen.


Glas statt Plastik benutzen etc


Auch bei der Hundehaltung gilt.. ich muss viel achtsamer leben, wenn ich mich auch zukünftig so reich fuehlen moechte, wie heute morgen beim Spaziergang.







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2 Comments


Wie sieht mein Fußabdruck eigentlich aus? - die Frage ist mir beim lesen Deines Beitrags in den Kopf gekommen. Sicherlich habe ich die großen abstrakten Zahlen aus Statistiken schon einmal gehört oder habe in allgemein verfassten Beiträgen gelesen, dass unser Abdruck zu groß ist. Aber was hatte das bisher mit mir zu tun … Du hast sehr persönlich und aus deiner eigenen Erfahrung gesprochen. Vielleicht ist es genau das, was mich hoffentlich ein paar Tage länger meinen Fußabdruck beobachten lässt.

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Du hast recht - es ist so wichtig, dass wir versuchen unseren Fußabdruck und den unserer Hunde zu minimieren, auch wenn’s oft echt schwierig ist! Danke fürs Aufbringen des Themas!

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