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  • karindix

Züchter

Aktualisiert: 22. Dez 2020

Ich bekomme viele Anfragen bezüglich der Welpen.

Die Gedanken der Käufer kreisen hauptsächlich darum, was für ein Hund es denn überhaupt sein soll. Welche Rasse passt ? Ist die Entscheidung gefallen, geht es hauptsächlich darum, WO kann ich einen solchen Hund kaufen? Ich rate allen Menschen, die mich kontaktieren ihr Anliegen weit zu verbreiten. Es gibt nicht genug Hundenachwuchs für all die Anfragen. Auf der Suche nach dem seltenen Glück, geht jedoch der Qualitätsaspekt gerne mal verloren. Hauptsache Hund.

Der heutige Artikel soll ein Appell sein. Lassen Sie ihren Emotionen und Sehnsüchten keinen freien Lauf. Gehen sie rational vor, informieren Sie sich und wählen Sie mit Bedacht. Ihre Kaufentscheidung bestimmt den Markt und der Markt bestimmt den Umgang mit dem Tier! Das ist bei Hunden nicht anders als in der Fleischindustrie. Die Anschaffung eines Rassehundes ist nicht kostengünstig. Die Preise haben sich mittlerweile angeglichen. Egal ob Sie einen Hund innerhalb des FCIs ( als auch aus dem Ausland wie zB Dänemark) kaufen oder den Wurf vom Nachbarn bevorzugen. Ich finde für soviel Geld , sollten Sie auch bekommen, was drauf steht. Sie zahlen für ein Original. Das Replica tut es natürlich auch (Hauptsache Hund), aber es unterscheidet sich wesentlich vom Original, sollte deshalb mit Bedacht gewählt und auf jeden Fall entscheidend kostengünstiger sein.


Was ist also ein Rassehund? Was bedeutet Qualität in der Zucht? Was ist v.a. wichtig zu beachten, wenn Sie das Original wollen ?


Gleich vorweg gesagt, die Papiere sind es nicht. Ein Hund mit Papier kann alles sein. Ein Papier beschreibt ja lediglich die Ahnentafel. Offizielle, also in einem Stammbuch eingetragene Papiere, erhalten nur FCI/ VDH Hunde. Hat der Dissidentenhund ( ein Hund , der nicht im VDH/FCI gezüchtet wurde) ein Papier, dann ist dies selbst gebastelt. Papier ist geduldig und Grafikprogramme machen so manches möglich. Wozu also einen Hund mit Papier? Das Papier, also die Abstammungsurkunde, brauchen Sie ja nur, wenn sie mit dem erworbenen Tier planen Ausstellungen zu besuchen. Ausstellungen besuchen Sie, wenn sie entweder Ihren Hund von einem internationalen Richter beurteilt haben wollen oder in die Zucht wollen und die Voraussetzungen dafür erfüllen müssen.


Der Unterschied zwischen Dissident und Nichtdissident also VDH/FCI ist die Zuchtordung! Über die strenge Kontrolle des VDHs bezüglich der Zuchtzulassung in Deutschland von Züchter und Zuchthund habe ich schon berichtet. Jedem Interessenten, der mit mir spricht, erkläre ich auch immer wieder gern auf welcher gesundheitlichen Basis die junge Zucht zu sehen ist. Wie Zucht im Ausland gehandhabt wird, welche Bedeutung der Genpool für die Zucht hat und warum ein guter VDH Züchter sich fundamental von einer Dissidentenzucht unterscheidet.


Dennoch ist auch der VDH oder besser eine Mitgliedschaft im FCI kein Garant für eine verantwortungsbewusste Zucht. Schwarze Schafe gibt es überall. Worauf sollten sie als verantwortungsbewusster Käufer also achten beim Kauf des Welpens und der Auswahl des Züchters?


Ich habe versucht Ihnen die wichtigsten Punkte zusammen zu fassen. Ein kleiner Leitfaden für Ihr Interview beim nächsten Züchter. Damit auch Sie als Käufer informiert sind:


- Suchen Sie sich Hunde, die Ihnen gefallen ! Jeder Züchter verfolgt eine andere Linie. Gerade Hofhunde unterscheiden sich im Aussehen und Character. Es gibt viele Formen und Farben, Sanguiniker und Melancholiker, ruhige und jagdversessene Hunde. Informieren sie sich über den Character der Elterntiere und warum der Züchter einen bestimmten Rüden für diese Hündin gesucht hat. Sie werden lange mit ihrem neuen Familienmitglied zusammen wohnen. Dabei werden Sie sich an eine Farbe gewöhnen, aber nicht unbedingt an blöde Charactereigenschaften!


- Informieren Sie sich über die Blutlinie! Suchen Sie im Internet nach Berichten über die Eltern, die Grosseltern der Hunde. Nach Berichten über die Zuchtstätten, aus denen die Grosseltern stammen. Ein Züchter kauft seine eigenen Hunde auch mit Bedacht. Die Zuchtstätten, die er sich dabei aussucht, sagen etwas über den Standard seiner eigenen Zucht aus.


- Haben sie Hunde gefunden, die ihnen gefallen, kontaktieren Sie den Züchter und fragen Sie ihn ! Wie wohnt der Züchter ? wo hält er die Hunde ? wie viele Zuchttiere hat er ? wie sieht sein Alltag aus ?


- Überzeugen Sie sich vor Ort ! Gibt es Zwinger im Garten oder auf dem Gelände? Ist das Haus gross genug? Hat er Zeit, die Hunde mit zu nehmen auf Ausflüge, Stadtbesuche etc. ? Wieviele Hunde sehen sie ? Wieviele Würfe gibt es pro Jahr ?


- Rechnen Sie ! wenn der Züchter 4/5 Würfe pro Jahr hatte, braucht er 5 Hündinnen und mehrere Junghündinnen, die nachwachsen. Hat er nur jüngere Hunde, bis zum Alter von 8 Jahren oder gibt es auch entsprechend viele Hündinnen im Ruhestand ? Im FCI werden Hündinnen nur bis zum 08. Lebensjahr gedeckt. Es gibt Züchter, die ihre Hündinnen einfach einschläfern lassen, wenn sie ausgedient haben.


- fragen Sie nach der Gesundheit der Rasse und der Hündin, die gedeckt werden soll. Hat sie alle Untersuchungen und gibt es sogar freiwillige Untersuchungen ? Beim Hofhund sollten Sie auf folgende Krankheiten achten:

-HD - Hüftdysplasie: Ist die Hüfte offiziell kategorisiert, dh von einem unabhängigen Facharzt begutachtet und bewertet ? Der FCI vergibt Noten für die Hüften A-D. C darf noch gezüchtet werden, sollte dann aber mit A Hüfte verpaart werden. D ist von der Zucht ausgeschlossen.

- Patella Luxation. dh die Kniescheibe kann aus ihrer Postion springen

- PLL, die primäre Linsenluxation. Dies ist kein vorgeschriebener Test. Auf Grund der jüngsten Entwicklung innerhalb der Rasse ist es für mich aber ein Anliegen. (Die Augenlinse ist für scharfes Sehen, genauer gesagt für die Brechung des in das Auge einfallende Licht verantwortlich.Sie wird von elastischen Fasern, den Zonulafasern, an ihrem Platz im Auge gehalten. Ohne diesen Halt kann sich die Linse im Auge verschieben oder verlagern (luxieren). Dies kann Symptome wie Tränenfluss, häufigeres Blinzeln oder eine Linsentrübung hervorrufen. In der Folge kann es auch zu einer schmerzhaften Schädigung der Nervenfasern des Sehnervs, Glaukomen oder zu einer völligen Erblindung kommen. Neben einer nicht vererbten sekundären Linsenluxation kann gibt es auch eine genetisch verursachte Form, die Primäre Linsenluxation. Diese kann man bereits im Alter von 20 Monaten anhand von Veränderungen in der Struktur der Zonulafasern nachweisen. Die weitere Ausprägung der Luxation erfolgt typischerweise im Alter zwischen 3 und 8 Jahren.)

- desweiteren Allergien, Nekrosen, Urolithen, Gebiss ( vollständig ? Zahnstellung?), Kryptorchismus etc

Der Hofhund ist nicht so gesund, wie man hoffen möchte. Leider haben auch gerade bekannte Zuchtrüden, die sehr viel gedeckt haben, Krankheiten in sich, die sie Ihrem Schützling in spe nicht wünschen. Es gibt kaum eine Blutlinie, die nichts vorzuweisen hat. Ein verantwortungsvoller Züchter sollte Ihnen reinen Wein einschenken. Viele Anlagen sind ja nicht gleich mit Symptomen belastet. Der entsprechende Hund sollte dann einfach nicht in die Zucht, wird Ihnen aber als Haustier viel Freude bereiten.


- fragen Sie auch nach dem Inzuchtkoeffizienten!! Der beschreibt die Übereinstimmung der Erbanlagen. Je mehr Übereinstimmung umso grösser die Gefahr einer Inzuchtdepression, dh das unerwünschte Eigenschaften wie zB Krankheiten auf dem gleichen Gen liegen und somit stärker ausgeprägt werden. Das trifft aber nicht nur für Krankheiten zu , sondern auch für Verhalten. Züchtet man also ein bestimmtes Aussehen ( flache Nasen oder ähnliches) braucht es eine hohe Reinerbigkeit ( lauter platte Nasen bei den Vorfahren), dh je höher der Inzuchtfaktor umso besser. Beim Hofhund wünschen wir uns aber einen gesunden Hund und deshalb sollte dieser Wert möglichst niedrig liegen, Erlaubt sind - glaube ich -bis ca 6 %. Wünschenswert wäre aber ein Wert um die 1 - 2 %.


- Fallen Sie nicht aufs Marketing herein ! Schöne Fotos, eine idyllische Umgebung, der Bekannheitsgrad der Zuchtstätte, ein Titel ( Tierarzt) sagt nichts über die Qualität aus.


- Haben Sie also eine Hündin gefunden, die Ihnen gefällt, fragen Sie nach der Aufzucht ! Wie handhabt der Züchter die Welpenaufzucht und wie sozialisiert er Ihren zukünftigen Hausgenossen ? Die erste Phase der Prägung, die zwischen der 4 . und 11. Woche liegt ist entscheidend für das spätere Verhalten Ihres Hundes. Sprechen sie mit dem Züchter über Ihre Wünsche ( Kinder, Sport etc)


- Besuchen Sie Ihren Welpen. Aber der 4. Woche wird der Züchter Ihnen gestatten den Welpen zu besuchen. Planen Sie Besuche ein. Sie lernen Ihren Welpen besser kennen, und können sich versichern, daß er nicht nur für den Besuch aus irgendeinem Verschlag gezerrt und ins Wohnzimmer gesetzt wird. Gucken Sie sich die Mutterhündin und ihren Zustand an. Welpen ohne Mutter sind bestimmt dort nicht geboren, wo Sie sie besichtigen.


- Bei der Abgabe ist der Hund dann zwischen 8 und 10 Wochen alt, je nachdem wann die erste Impfung erfolgen konnte. Sie sollten also einen geimpften, gechipten, registrierten Hund bekommen , der während der Aufzucht mehrmals entwurmt wurde ( grob gesagt so circa alle 14 - 20 Tage). Der Hund sollte gesund sein ( kein Durchfall, keine abgebrochenen Zähne, keine Zahnfehlstellung, Hodenabsenkung etc.) und Lust auf neue Abenteuer haben. Ein guter Züchter wird Sie dahin gehend beraten. Er wird Ihnen auch nach dem Auszug noch mit Rat und Tat zur Seite stehen. Und ich persönlich freue mich immer sehr , wenn mich Fotos der Zöglinge erreichen. Auch noch Jahre später.


Ich hoffe Ihnen hiermit eine kleine Checkliste an die Hand gegeben zu haben, worauf Sie achten sollten, wenn Sie dem Tier etwas Gutes tun wollen und ihm ab der Geburt ein schönes Leben wünschen. Haben Sie ein bisschen Geduld und suchen Sie sich in Ruhe "Ihren " Züchter aus.






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